Shelter

Inspiriert durch die Erinnerungen der serbischstämmigen Komponistin Ivana Radovanovic an die Zeit der Bombardierung Serbiens 1999, belebt die Komposition in Verbindung mit dem szenisch-tänzerischen Geschehen auf der Bühne die unterschiedlichen emotionalen Phasen und Reaktionen der Menschen wieder,  die damals in einem Luftschutzkeller Unterschlupf suchten.
Unsicherheit, Angst, Nervosität, Spannung, Ohnmacht und Klaustrophobie bezeichnen die Atmosphäre in diesem kleinen Raum.

“Ich war damals, als wir in den Keller der Nachbarn flüchten mussten, 5 Jahre alt. Ich verstand nicht, worum es ging: “Wieso gibt es keinen Strom? Keinen Fernseher? Warum darf ich nicht in den Kindergarten?” Die Eltern haben versucht uns zu schützen. Sie haben versucht so zu tun, als wäre alles normal, damit wir keine Angst haben. Aber wir haben gespürt, dass da einiges nicht in Ordnung ist. Man konnte auch als Fünfjährige die Angst spüren, die alle rundum gefangen nahm. Auch die Wut auf die Feinde da draußen. Und die Ohnmacht aller. Nicht nur die der Kinder.

Durch Musik, Tanz und Lichteffekte habe ich versucht, die Emotionen, die stark in meiner Erinnerung geblieben sind, auszudrücken. Die Tänzerinnen nehmen die unterschiedlichen Charaktere der Menschen an, die sich in diesem Luftschutzkeller befinden. Und die unterschiedlichen Reaktionen auf die bedrohliche Situation. Das Schachspiel hat eine zweifache Funktion. Einerseits haben sich die Erwachsenen damals mit diesem Spiel die Zeit vertrieben und sich von den kriegerischen Geschehnissen abgelenkt. Und andererseits ist es eine Methapher für das “Spiel” zweier Großmächte im Hintergrund des Krieges. Wir waren wie die Bauern beim Schach. Spielball anderer, die das Spiel bestimmen.“

Mit:
Julia Kosałka, Coralie Bénard, Helene Schuhknecht – Tanz
Ivana Radovanovic – Komposition


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